Wie und warum haben Katzen das Internet erobert?

Lustige Katzenvideos sind schon lange ein Hit im Internet. Und viele flauschige Helden der Videos wurden zu echten Berühmtheiten auf YouTube und in den sozialen Netzwerken, wie zum Beispiel die legendäre und unnachahmliche Grumpy Cat oder, wenn man es auf Deutsch sagt, „Der mürrische Kater“.

Der niedliche Kater hat zahlreiche Fans auf der ganzen Welt, und sein Ruhm beschränkt sich längst nicht mehr auf das globale Netz. Er tritt in Fernsehsendungen auf und wirbt in TV-Spots. Nun, wie und warum ist es den liebenswerten Haustieren gelungen, das Internet zu erobern und zu seinen Superstars zu werden? Dabei hilft uns die deutsche Professorin und große Katzenvideo-Liebhaberin Julia Laida.

Auf einer gewöhnlichen Ausstellung sieht man selten Massen von überglücklichen Menschen, aber die Besucher des Museums für bewegte Bilder in New York können bei den Exponaten einer ungewöhnlichen Veranstaltung ein Lächeln nicht unterdrücken. Sie heißt „Wie Katzen das Internet erobert haben“ und erzählt vom Phänomen der Katzenpopularität im Internet. Die Ausstellung zeigt Fotos und Videos von Internet-Katzenpromis und berichtet über den Erfolgsweg jedes einzelnen.

Die Menschen bleiben gebannt vor den Ausstellungen stehen, die dem „mürrischen Kater“, dem japanischen Karton-Fan Maru und dem Meister des schnellen Auf- und Abrollens von Toilettenpapier Willie gewidmet sind. Die Ausstellungsbesucher betrachten lange die Porträts der berühmten Internetkatzen und fotografieren sich neben ihnen. Überall hört man begeisterte und entzückte Worte: „Entzückend!“, „Bravo!“, „Super!“, „Ach, wie niedlich!“.

Was sind die Gründe für die Liebe zu Katzen?

Die Gründe für diese Liebe der Internetnutzer zu Katzenvideos erklärt aus wissenschaftlicher Sicht in einem Interview mit der deutschen Zeitung Berliner Morgen Post Professorin Julia Laida von der Freien Universität Berlin.

„Katzen haben einen kindlichen Körperbau“, erklärt Dr. Laida. „Sie haben runde Augen und ein rundes Gesicht, die Kätzchen sind geschmeidig, manchmal auch tollpatschig.“

Tierbesitzer drängen ihren Haustieren ihre eigenen Schönheitsvorstellungen auf: Was halten Sie von Videos, in denen Katzen in originelle Kostüme gesteckt werden, oder von solchen, in die lustige Texte eingefügt wurden? Menschen neigen dazu, ihren Haustieren menschliche Charakterzüge zuzuschreiben. Und das kommt ziemlich häufig vor“, meint der Gastprofessor des John F. Kennedy Instituts.

Grumpy Cat

Die Vermenschlichung von Katzen mit ungewöhnlichem Aussehen gelingt hervorragend. In dieser Hinsicht ist die Geschichte von Grumpy Cat sehr bezeichnend, der durch seinen unzufriedenen Gesichtsausdruck aufgrund eines Zahnfehlschlags berühmt wurde. Seine Besitzerin ließ den Namen ihres Lieblingshaustiers als Marke eintragen, außerdem wurden zwei Bücher im Namen der mürrischsten Katze der Welt veröffentlicht. Die ungewöhnliche Mimik dieser Katze zieht unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf sich, und darin liegt das Geheimnis ihrer enormen Popularität. Sogar der amerikanische Präsident Barack Obama erwähnt Grumpy Cat in seinen Reden.

Der interaktive Bereich der New Yorker Ausstellung zeigt anschaulich, wie Menschen Tieren menschliche Eigenschaften zuschreiben. Hier verleihen die Besucher ihren Haustieren anhand ihres Gesichtsausdrucks verschiedene Eigenschaften: „pedantisch“, „neugierig“ oder „verlegen“. Wer Katzen beobachtet, neigt sehr dazu, in diesen niedlichen Geschöpfen sich selbst zu sehen. Wissenschaftler haben längst bewiesen, dass das Ansehen von Videos mit Hunden und Katzen ebenso wie der direkte Kontakt mit Haustieren den emotionalen Zustand des Menschen positiv beeinflusst.

Da Kätzchen Kindern sehr ähnlich sind, wecken Videos mit Miezekatzen bei den Zuschauern den Beschützerinstinkt. „Wir mögen süße Katzen sehr und möchten sie ständig sehen, auch im Internet. Wenn uns das gelingt, sind wir in bester Laune“, sagt Julia Laida.

Willie is Better than Your Cat

Den Zuschauer überrascht und begeistert zugleich, wie der Kater Willie meisterhaft eine Rolle Toilettenpapier auf- und abwickelt. Und da stellt sich die Frage: Hat der Besitzer ihn das gelehrt oder ist die Katze selbst darauf gekommen? Das Video „Willie is Better than Your Cat“, das 2014 die Nutzer von YouTube verzauberte und dort 5 Millionen Aufrufe sammelte, enthält nicht nur humorvolle Elemente, sondern öffnet dem Zuschauer auch ein Fenster in die geheimnisvolle und rätselhafte Welt der Katze, in der die Rolle des Menschen nicht so bedeutend ist. Und darin liegt der besondere Reiz von Videoclips mit heimischen Vertretern der Katzenfamilie.

Die besondere Atmosphäre der New Yorker Ausstellung

Die Organisatoren der New Yorker Ausstellung haben vor ihrem Beginn soziale Netzwerke wie Instagram oder YouTube sorgfältig analysiert. Auf das beliebte Portal YouTube werden etwas mehr Videos mit Hunden als mit Katzen hochgeladen. Dagegen erzielen Videos mit Katzen und Kätzchen mehr Aufrufe, und Nutzer erstellen häufig Links zu solchen Videos auf ihren Seiten in sozialen Netzwerken.

„Wenn meine eigenen sozialen Netzwerke größer wären, dann würden Videos mit Haustieren noch beliebter werden“, sagt Frau Laida.

Den besonderen Charme dieser Clips verleiht das natürliche Verhalten ihrer schnurrbärtigen „Künstler“. Die Katzen führen Aktionen nicht auf Befehl ihrer Besitzer aus, sondern aus eigenem Antrieb: Sie fahren zum Beispiel auf kleinen Staubsaugerrobotern und wollen absolut nicht mehr herunter. Eine interessante Entdeckung für viele Besucher der Ausstellung in New York war, dass die Katzen während der Dreharbeiten keine Beachtung auf die Videokamera schenken. Ihre Ungezwungenheit und Spontaneität in den Videos bereiten den Zuschauern große Freude. Bei Hunden läuft alles anders ab, wenn sie gefilmt werden. Der Hund sieht die Kamera und bemüht sich sehr, die Kommandos seines Besitzers auszuführen, um dem Zuschauer zu gefallen. Die Videos über Hunde wirken etwas aufgesetzt und weniger interessant als die über Katzen.

Katzenliebhaber brauchten einen Ort, an dem sie miteinander über ihre ungewöhnlichen Haustiere sprechen konnten: so schön, anmutig, charmant, fotogen und mit einem unabhängigen und eigensinnigen Charakter. Katzenfreunden fällt es schwer, sich zufällig auf der Straße zu treffen, im Gegensatz zu Hundebesitzern, die täglich mit ihren Lieblingen spazieren gehen. Und dieser Ort wurde das Internet. Das World Wide Web dient Katzenbesitzern als eine Art virtueller Treffpunkt, auf dem man alles besprechen kann, was mit den geliebten Haustieren zusammenhängt, z. B. die Pflege oder die Rolle der Katze in unserem Leben.

In verschiedenen Ländern liebt man nicht nur Katzen

Besonders beliebt sind Katzenvideos in den USA, Kanada, Westeuropa und Japan. In einigen Ländern rufen andere Haustiere ein erhöhtes Interesse bei Internetnutzern hervor. Die Mexikaner bevorzugen das Lama, und die Chinesen das Alpaka, das seit Kurzem in China zum Symbol des Kampfes gegen die Internetzensur geworden ist. Auch in Russland haben Katzenvideos viele Anhänger unter den Nutzern des World Wide Web. Im vergangenen Jahr sorgte ein Video im Runet für Aufsehen, in dem eine streunende Katze in einem Geschäft des Flughafens Wladiwostok Meeresfrüchte naschte. Insgesamt erhielt dieser Clip auf YouTube innerhalb weniger Tage etwa 6.000.000 Aufrufe.

Das Ansehen von Katzenvideos ist eine wunderbare Erholung für die ganze Familie. Niedliche Videos heben die Stimmung des Zuschauers, helfen ihm, sich vom grauen Alltag abzulenken, und zaubern ihm ein Lächeln ins Gesicht. Und erst kürzlich haben Wissenschaftler bewiesen, dass das Ansehen von Videos mit Katzen und Kätzchen die psychische Gesundheit der Menschen verbessert. Außerdem kann man dank dieser Clips auf YouTube den starken und unabhängigen Charakter der Katze besser verstehen. Und diejenigen, die noch keine Katze haben, werden sich einen bezaubernden schnurrenden Begleiter zulegen wollen.

Übersetzung von O. W. Ryndina

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