Warum werden elektrische Züge als Hunde bezeichnet?
Sind Sie schon einmal mit dem Hund zur Datscha gefahren? Ihre Nachbarn bestimmt. Und das war nicht etwa am Nordpol oder bei Hunderennen, sondern irgendwo im Moskauer Umland. Im Jugend-Slang der 70er-80er Jahre wurden gewöhnliche Vorortzüge als Hunde bezeichnet.

Welcher Zusammenhang?
Warum gerade dieses Tier zur zweiten Bezeichnung der Vorortzüge wurde, weiß niemand mit Sicherheit. In der literarischen Sprache findet man eine solche Ersetzung nicht (wenn man von der Klassik spricht), denn im Grunde ist es ein Jargon. Schaut man in das entsprechende Wörterbuch, so sieht man in der ersten Bedeutung des Wortes 'Hund' die Definition 'Vorortzug, S-Bahn, Dienstzug, Güterzug, einer, der auf der Eisenbahn fährt'. Die zweite Bedeutung ist 'U-Bahn-Wagen, S-Bahn, Zug für illegale Graffiti-Bemalung'.
Philologen führen folgende Versionen dafür an, warum die S-Bahn Hund genannt wird:
- Mit den Vorortzügen reisten Studenten von Stadt zu Stadt. Eine Art Reise mit Umsteigen, aber nur auf Schienen. Billig und schnell, und vor allem mit Abenteuern. Den Studenten wird die Urheberschaft dieses Jargonbegriffs zugeschrieben. Warum wurde die S-Bahn gerade zum Hund und nicht zum Pferd, das den Menschen über Jahrhunderte begleitete? Möglicherweise liegt es an der Ähnlichkeit eines nordischen Hundeschlittens und eines Zuges: Die Tiere werden paarweise eingespannt, und das gesamte Gespann besteht aus 8-16 Tieren, die hintereinander laufen. Übrigens heißen die Gespanne im Nordosten 'Potjag', was auf Ukrainisch 'Zug' bedeutet (allerdings bedeutet 'Potjag' in jenen Gegenden einen Riemen).
- Die zweite Version bezieht sich auf die Redewendung 'Wie Flöhe auf einem Hund'. Wer mit Vorortzügen fährt, wird das verstehen, denn täglich werden die Waggons so vollgestopft mit Menschen, dass das Atmen schwer fällt. Die Menschen erinnern an Flöhe auch deshalb, weil sie jeden Tag zur S-Bahn eilen, aus Angst, zu spät zur Arbeit zu kommen.
- Die dritte Erklärung, warum Vorortzüge Hunde genannt werden, basiert auf der Analyse der Tiergewohnheiten. Sie, insbesondere Rüden, lassen auf einem Spaziergang keinen Baum aus. Genauso der Eisenbahnzug, der an jeder Station und jedem Haltepunkt hält.

- Als Version kann man auch die Analogie zwischen dem Jaulen eines Hundes und dem Quietschen der Bremsen eines Zuges akzeptieren.
- Fünftens sollte man auch die Kontrolleure nicht vergessen. Heute sind elektronische Tickets üblich, aber in den 70er-80er Jahren versuchten die armen Studenten, der 'Tante' (so wurde der Fahrkartenkontrolleur meist genannt) nicht in die Augen zu fallen. Dabei hatte der Kontrolleur wirklich ein Hundeleben: so viel Streit an einem Tag und so viele Schwarzfahrer aufspüren wie ein Spürhund, dass man umfallen konnte.
Verbreitungsgebiet
Auf Hunden fuhren meistens Studenten aus Petersburg und Moskau. Je näher man der nördlichen Hauptstadt kommt, desto seltener hört man diesen Jargon. Die Petersburger bevorzugten eher den "Elektron".

Einige Forscher stellen eine weitere Version auf, indem sie als Beweis ein Rätsel anführen: "Lang, grün, riecht nach Wurst." In den 1970er Jahren war allen klar, dass es eine Elektrichka war. Aber warum hängt das mit Moskau zusammen? Die Sache ist die, dass von der Hauptstadt ein Zug nach Rjasan verkehrte, und auf diesem Zug transportierten findige Moskauer Wurst in die Provinz. Und in der UdSSR wusste man genau, dass nicht einmal Hunde die Wurst essen.
Diese Version kann man auch akzeptieren, abgesehen von einem Punkt. Im Slang von Sewastopol gibt es den Ausdruck "Fahren auf der Wurst des Gehörnten", wobei "Wurst" — die Leiter hinten am Trolleybus ist.
Die Verbindung von Hund und Elektrichka wurde weitergeführt. Im Slang der Fußballfans wurde eine Person, die dieses Verkehrsmittel häufig für die Fahrt zu Spielen nutzt, als Kynologe bezeichnet. Der Jargon wurde sogar im Lied "Nacht-Ljudmila" der Band DDT verewigt: "Auf Hunden fliegst du nach Moskau, auf eisernen Wölfen bis zur Gorbuschka."
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1 Kommentar
Viktor
Die Wurst ist nicht hinten am Trolleybus, sondern an der Straßenbahn.
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